Mansardenkoller. In memoriam Luciano Pavarotti

7. September 2007

Oweioweiowei, auuuwehauwehauwehau! Nichts ist mehr, wie es war und wie es gehört! Vor vier Tagen hat es angefangen: Erst haben sich die Deckenbalken meiner Mansarde gebogen, dass ich gedacht hab’, mir fällt gleich das Dach auf den Kopf; dann war es so, dass die morschen Dielenbretter bei jedem Schritt von mir geknarrt haben – furchtbar, fuuurchtbaaar! – und dann haben auch noch die Scharniere von der Dachluke so ganz laut gequietscht, wenn ich die Luke nachts mal aufgemacht habe und die schlechte verrauchte Luft abziehen lassen wollte.

Gekommen ist das so. Also, neben mir wohnt so ein Polizist, in der Nachbarmansarde. Wir sind hier oben ja eine Mansarde an der anderen, ich selber wohne in der Nummer 72, und die ganzen Mansarden, das ist so ein ganz langer Gang, so eine lange Flucht. Und der Polizist aus der Nummer 71 ist zu mir rübergekommen. Hat so richtig forsch angeklopft, als wie einer, der richtig wütend ist. Und ich hatte noch gar nicht ‚herein’ gerufen, da hat der schon selber die Türe aufgemacht und ist in mein Zimmer reingelaufen gekommen.

Was der mir alles an den Kopf geworfen hat! Tsa, sa, sa: Ich soll aufhören mit der ganzen Musik in meiner Mansarde, hat der gesagt, nicht wahr, das wär doch viel zu laut, ich würd’ ihn ja beim Arbeiten stören, er muss doch seine Berichte abends schreiben, ist doch Polizeibeamter, und weil sie bei der Polizei das tagsüber nicht schaffen mit den ganzen Berichten, nicht wahr, darum müsst’ er die Papiere von der Polizei, die Protokolle, müsst er dann abends noch zu Hause schreiben.

Hat man da noch Töne? Ich hab’ ja gar keine Musik gespielt, wenigstens nicht so laut! Das mit der lauten Musik war doch der andere, der Nebenmann, na, der aus der Mansarde 73, zwischen dem seiner und der vom Polizisten meine Mansarde ist. Sag ich zu dem Polizisten, der wo sich beklagt hat: Das war doch der andere. Aber was, das hat der gar nicht hören wollen. Meine alten Opernplatten, sagt dieser Tölpel, dieser Banause von einem Schutzmann, soll ich verdammt jetzt aber auch leise machen, und außerdem sind die schon viel zu alt, so was will heute gar keiner mehr hören, Rigoletto und der ganze alte Mist von Pavarotti, vor allem nicht, wenn’s so laut ist. So hat der über meine Opernplatten geredet, es ist nicht zu glauben. Da sag ich zu ihm: Also, wenn Ihnen das zu laut ist, dann rufen Sie doch die Polizei. (Das war ein guter Witz! Versteht ihr, er ist doch selber bei der Polizei, da braucht er sie doch nicht mehr rufen!)

Hat er sich dann getrollt. Seitdem habe ich meine Opernplatten nicht mehr gehört. Kann ja nicht. Der Verrückte kommt ja gleich rüber zu mir und fängt wieder an, meine Platten wären zu alt und zu laut. Was der für Musik hört, das tät ich wirklich gerne mal wissen. Aber der hört seine ja so leise, dass man es gar nicht hören tut. Nicht mal durch die dünne Mansardenwand.

Und seit ich die Musik aus hab’, hat das angefangen zu furchtbar zu Knarzen und zu Rumoren im Gebälk. Da wird man ganz irre, wenn man immer in dem kleinen Zimmer sitzen muss. Und ich muss ja. Ich muss ja schreiben. Das hier zum Beispiel.

Wann wird das denn nur endlich aufhören, hm? Keiner weiß es. Aaah, keiner weiß es.


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