mansardenticker 07/08

6. Juli 2008

+++ hitler +++ +++ +++

Berlin. Der Wachs-Attentäter, der gestern im neu eröffneten Berliner Ableger von Madame Tussauds den Kopf der Hitler-Figur abgerissen hat, heißt Frank L. und wohnt in Kreuzberg. Wie die Berliner Morgenpost meldet, sei L. früher Polizist gewesen – bis er merkte, dass er „auf die andere Seite” gehöre.

Ja, L., was fällt Ihnen denn ein, die Wachsfigur von Hitler zu demolieren? Was hat Ihnen der Mann denn getan?

+++ mutig +++ +++ +++

Köln. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, schreibt die Kölnische Rundschau, gebe als Wahlziel für die Union mutig die „40 plus x” aus.

Höre, Kölnische Rundschau: „40 plus x” als Wahlziel auszugeben ist nicht mutig. Mutig ist das hier:

[ZDF, Neues aus der Anstalt]


+++ ss +++ +++ +++

Tübingen. Mansarde 72 unterstützt ein Projekt gegen Ausländerfeindlichkeit in Tübingen. Dort haben sich im Juni zehn couragierte „Super-Skinheads” („SS”) zusammengefunden, um unerschrocken gegen die um sich greifende Diskriminierung von Mitbürgern mit Migrationshintergrund aufzutreten. In letzter Zeit hatten rechtsextreme Tübinger Gruppierungen – die sich samt und sonders im universitären Dunstkreis bewegen – immer mehr Zuspruch gefunden.

„Wir selbst sind zwar Skinheads, aber deswegen noch lange keine Neonazis”, betont SS-Chef Heiko Winkler. „Vielmehr sehen wir uns in der Tradition der antirassistischen SHARP-Skins. Und auf eines könnt ihr Wichser euch verlassen: Den rassistischen Studentenmob nehmen wir auseinander. Wir setzen uns nämlich ein für die Rechte der Scheiß-Kanak… äh, gegen, äh, für Ausländer, also gegen feindliche Auslän…, also gegen Feindlichkeit und gegen unfreundliche Aus… äh inländerfeindliche … Mitbürger mit … äh … Migrationshintergedanken … ach, scheiß doch der Hund drauf!”

Mansarde 72 unterstützt die Super-Skinheads mit 30.000 Euro.


Gesellschaftsmagazin Vanity Fair!

3. November 2007

Dein Autor Michel Friedman, ehemals stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, hat am 4. Oktober ein zweistündiges Gespräch mit dem einstigen RAF- und späteren NPD-Anwalt Horst Mahler geführt (Teil I, Teil II). So weit, so schön und gut und couragiert; aber dieses Interview einfach so zu veröffentlichen – auf dass der Leser eigenverantwortlich entscheiden möge, ob dieser Mahler nun gut oder schlecht ist –, dazu warst du dann doch wieder zu feige, was? Stattdessen rechtfertigst du dich reflexhaft im Voraus für die Veröffentlichung („wir glauben, dass es eine bessere Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen nie gegeben hat“ – ein herrlicher Blödsinn), damit auch ja keiner böse ist und etwa meint, du bötest Alt-Neonationalsozialisten wie Mahler und dessen Lebensgefährtin Sylvia Stolz („S. S.“) eine Bühne, ihre Ansichten zu verbreiten.

Dabei, Vanity Fair, wäre dein vorauseilendes Schwanzeinziehen gar nicht nötig gewesen: Schließlich ist Interviewer Friedman Jude, woraus folgt, dass immerhin schon mal die üblichen Watschen von Seiten des Zentralrats ausbleiben. – Wie bitte? Das sitzt einfach zu tief im Fleisch? Geht gar nicht mal anders? Das dachte ich mir.

P. S. Der Stil dieses und einiger anderer Beiträge auf Mansarde 72 ist
© Satiremagazin Titanic, Sektion „Briefe an die Leser“. Das musste mal gesagt werden.


Sag mal, Sankt Johanner Gesamtfeuerwehr-Kommandant

2. November 2007

Walter Ochs, haben wir richtig gelesen? Sie wollten Ihren Untergebenen von der freiwilligen Feuerwehr-Unterabteilung Bleichstetten nicht das große Feuerwehrauto genehmigen, das besagter Unterabteilung zweifellos zusteht, sondern nur ein ganz kleines, mickriges? – Ja ja, der Gemeinderat wollte das große Spritzenauto auch nicht genehmigen, aber Sie und Ihr ehrenwerter Gesamtfeuerwehrhauptausschuss doch wohl besonders nicht! Als daraufhin die in rote Sweatshirts gekleideten Bleichstettener konsequent und geschlossen ihre Feuerwehr-Lappen zurückgaben, sahen Sie, Ochs, gar rot – und brandredeten, dass dieses Kündigungs-Defilee etwas von einer kleinkindlichen Trotzreaktion gehabt habe. Es könne nicht sein, sagten Sie, dass auf Mehrheitsbeschlüsse so reagiert werde, und zitierten die abtrünnige Abteilung vor den Hauptausschuss. Worauf Ihr Spießgeselle, der Bleichstettener Ortsvorsteher, die Nicht-mehr-Feuerwehrler eilends aufforderte, umgehend ihren Dienst wieder aufzunehmen.

Walter Ochs! Sie und der Ortsvorsteher, ihr habt da was missverstanden. Seht mal: Eure Feuerwehr, die ist doch freiwillig, stimmt’s? Wohl. Und „vor den Ausschuss zitieren“, „fordern“, und „nicht sein können“, das passt irgendwie nicht zu „freiwillig“. Schon klar – freiwillig ist bei der Freiwilligen Feuerwehr eigentlich nur der Eintritt, und spätestens seit Baron d’Holbach weiß auch der hinterste Feuerwehrgesamtgeneral, dass es so etwas wie einen freien Willen eigentlich gar nicht gibt. Trotzdem finden wir eure hitzigen Kommandos in Richtung der Ausgetretenen doch arg unverfroren. Besser wär’s drum, ihr tätet gleich eine Berufsfeuerwehr installieren. Oder, noch besser: Lasst es bleiben, denn so ganz willenlos wird sich euch nicht mal ein Profilöscher fügen. Wisst ihr, was? Stellt aus den verbliebenen Feuerwehr-Unterabteilungen einfach ein Freikorps zusammen und zeigt den Abtrünnigen, wie man in Sankt Johann mit Freidenkern umgeht, denen es noch nicht mal davor graust, von allen schwäbischen Provinzglossenfritzen als – schenkelklopf – Auf-dem-Schlauch-Steher gebrandmarkt zu werden.

100 Liter Freibier von den Freischärlern in der Mansarde!

P. S. Liebe Moslems, aus technischen Gründen war es uns in dieser Ausgabe leider nicht möglich, euch wie gewohnt zu beleidigen. Wir geloben Besserung.


mansardenticker 10/07

12. Oktober 2007

+++ eva herman zum zentralrat +++ +++ +++

Berlin. Der Zentralrat der Juden will Eva Herman eine Funktion in seiner Führungsebene anbieten. Das meldet die in Berlin erscheinende „Tageszeitung“ (TAZ) in ihrer morgigen Ausgabe. „Mit Hermans jüngsten couragierten Äußerungen – ‚es war vieles schlecht im Nationalsozialismus, zum Beispiel Adolf Hitler, aber manches war auch gut, zum Beispiel die Guten und die Juden’ – können wir uns vollumfänglich identifizieren“, zitiert die TAZ die Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch. Um Eva Herman Anerkennung zu zollen, so Knobloch weiter, werde man ihr das Amt einer Protokollführerin ohne Geschäftsbereich anbieten. Überdies fordere der Zentralrat den NDR ultimativ auf, die Kündigung Hermans rückgängig zu machen. Am Erfolg der Forderung zweifle Knobloch nicht im geringsten: „Da haben wir schon ganz andere Dinger durchgedrückt.“

Die TAZ beruft sich außerdem auf den früheren stellvertretenden Zentralrats-Vorsitzenden Michel Friedman: Auf die Frage, ob Eva Herman als Nichtjüdin denn überhaupt einen Posten im Zentralrat annehmen dürfe, habe Friedman entgegnet, es werde prinzipiell „jede aufgenommen, die sich anständig benimmt – und wenn sie tausendmal Christin oder ukrainische Zwangsprostituierte ist“.

+++ ashkan dejagah zum zentralrat +++ +++ +++

München. Der Zentralrat der Muslime will dem deutsch-iranischen U21-Fußball-Nationalspieler Ashkan Dejagah eine hochdotierte Funktion in der Führungsebene des Verbands anbieten. Dejagah hatte sich dieser Tage geweigert, mit der Nationalmannschaft zu einem Länderspiel in Israel anzutreten. Wie die „National-Zeitung“ mitteilt, habe der Zentralrats-Vorsitzende Ayyub Axel Köhler den Entschluss Dejagahs als „zutiefst respektabel“ gelobt. Der Fußballer, so Köhler, eigne sich hervorragend für den Posten des Ehrenmordvorsitzenden.

Ayyub Köhler habe darüber hinaus Stellung zum „Moscheen-Streit“ bezogen. So habe er erklärt, die Gespräche mit der Stadt Köln über den Bau einer weiteren Moschee (gefühlte Minarett-Höhe: 223 Meter) im Stadtteil Ehrenfeld – gleich neben der bereits genehmigten Zentralmoschee – seien „rundum zufriedenstellend“ verlaufen.

+++ „bildblog“ stellt blogging ein +++ +++ +++

Hamburg. Die Betreiber des Bildblogs wollen ihre „Bild“-kritische Bloggerei beenden, schreibt die Hamburger Morgenpost. „Kein’ Bock mehr auf den Scheiß“, zitiert das Blatt den Bildblog-Macher Christoph Schultheis. Außerdem trete Mit-Macher Stefan Niggemeier im Januar 2008 eine Volontärsstelle beim Oranienburger Generalanzeiger an und habe keine Zeit mehr zu bloggen.

+++ uni tübingen: psychologie für alle +++ +++ +++

Tübingen. Die Eberhard-Karls-Universität hat sämtliche Zulassungsbeschränkungen für den Diplomstudiengang Psychologie aufgehoben. Abgeschafft ist damit auch das interne Auswahlverfahren, nach dem bislang sechzig Prozent der Studienplätze vergeben wurden. Man erwarte für die kommenden Jahre einen bedenklichen Psychologen-Mangel, kommentierte Institutsdirektor Martin Hautzinger die Maßnahme. Darum habe man entschieden, für das Wintersemester 2007/08 ausnahmslos alle hochschulreifen Bewerber zu akzeptieren. Selbst talentierte Haupt- und Realschulabsolventen hätten eine gute Chance: „Wir haben das untersucht, die stehen den Abiturienten und Professoren in puncto Blödheit tatsächlich in nichts nach“, so Hautzinger. Interessenten finden sich bitte am 16. Oktober um 17 Uhr im Psychologischen Institut (Tübingen, Friedrichstraße 21) ein. Einschreibungen werden an Ort und Stelle vorgenommen.


Aufgemerkt: Bitte beachten Sie diese Richtigstellung.


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