Gesellschaftsmagazin Vanity Fair!

Dein Autor Michel Friedman, ehemals stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, hat am 4. Oktober ein zweistündiges Gespräch mit dem einstigen RAF- und späteren NPD-Anwalt Horst Mahler geführt (Teil I, Teil II). So weit, so schön und gut und couragiert; aber dieses Interview einfach so zu veröffentlichen – auf dass der Leser eigenverantwortlich entscheiden möge, ob dieser Mahler nun gut oder schlecht ist –, dazu warst du dann doch wieder zu feige, was? Stattdessen rechtfertigst du dich reflexhaft im Voraus für die Veröffentlichung („wir glauben, dass es eine bessere Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen nie gegeben hat“ – ein herrlicher Blödsinn), damit auch ja keiner böse ist und etwa meint, du bötest Alt-Neonationalsozialisten wie Mahler und dessen Lebensgefährtin Sylvia Stolz („S. S.“) eine Bühne, ihre Ansichten zu verbreiten.

Dabei, Vanity Fair, wäre dein vorauseilendes Schwanzeinziehen gar nicht nötig gewesen: Schließlich ist Interviewer Friedman Jude, woraus folgt, dass immerhin schon mal die üblichen Watschen von Seiten des Zentralrats ausbleiben. – Wie bitte? Das sitzt einfach zu tief im Fleisch? Geht gar nicht mal anders? Das dachte ich mir.

P. S. Der Stil dieses und einiger anderer Beiträge auf Mansarde 72 ist
© Satiremagazin Titanic, Sektion „Briefe an die Leser“. Das musste mal gesagt werden.

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