Gesellschaftsmagazin Vanity Fair!

3. November 2007

Dein Autor Michel Friedman, ehemals stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden, hat am 4. Oktober ein zweistündiges Gespräch mit dem einstigen RAF- und späteren NPD-Anwalt Horst Mahler geführt (Teil I, Teil II). So weit, so schön und gut und couragiert; aber dieses Interview einfach so zu veröffentlichen – auf dass der Leser eigenverantwortlich entscheiden möge, ob dieser Mahler nun gut oder schlecht ist –, dazu warst du dann doch wieder zu feige, was? Stattdessen rechtfertigst du dich reflexhaft im Voraus für die Veröffentlichung („wir glauben, dass es eine bessere Bloßstellung der deutschen Rechtsextremen nie gegeben hat“ – ein herrlicher Blödsinn), damit auch ja keiner böse ist und etwa meint, du bötest Alt-Neonationalsozialisten wie Mahler und dessen Lebensgefährtin Sylvia Stolz („S. S.“) eine Bühne, ihre Ansichten zu verbreiten.

Dabei, Vanity Fair, wäre dein vorauseilendes Schwanzeinziehen gar nicht nötig gewesen: Schließlich ist Interviewer Friedman Jude, woraus folgt, dass immerhin schon mal die üblichen Watschen von Seiten des Zentralrats ausbleiben. – Wie bitte? Das sitzt einfach zu tief im Fleisch? Geht gar nicht mal anders? Das dachte ich mir.

P. S. Der Stil dieses und einiger anderer Beiträge auf Mansarde 72 ist
© Satiremagazin Titanic, Sektion „Briefe an die Leser“. Das musste mal gesagt werden.


Sag mal, Sankt Johanner Gesamtfeuerwehr-Kommandant

2. November 2007

Walter Ochs, haben wir richtig gelesen? Sie wollten Ihren Untergebenen von der freiwilligen Feuerwehr-Unterabteilung Bleichstetten nicht das große Feuerwehrauto genehmigen, das besagter Unterabteilung zweifellos zusteht, sondern nur ein ganz kleines, mickriges? – Ja ja, der Gemeinderat wollte das große Spritzenauto auch nicht genehmigen, aber Sie und Ihr ehrenwerter Gesamtfeuerwehrhauptausschuss doch wohl besonders nicht! Als daraufhin die in rote Sweatshirts gekleideten Bleichstettener konsequent und geschlossen ihre Feuerwehr-Lappen zurückgaben, sahen Sie, Ochs, gar rot – und brandredeten, dass dieses Kündigungs-Defilee etwas von einer kleinkindlichen Trotzreaktion gehabt habe. Es könne nicht sein, sagten Sie, dass auf Mehrheitsbeschlüsse so reagiert werde, und zitierten die abtrünnige Abteilung vor den Hauptausschuss. Worauf Ihr Spießgeselle, der Bleichstettener Ortsvorsteher, die Nicht-mehr-Feuerwehrler eilends aufforderte, umgehend ihren Dienst wieder aufzunehmen.

Walter Ochs! Sie und der Ortsvorsteher, ihr habt da was missverstanden. Seht mal: Eure Feuerwehr, die ist doch freiwillig, stimmt’s? Wohl. Und „vor den Ausschuss zitieren“, „fordern“, und „nicht sein können“, das passt irgendwie nicht zu „freiwillig“. Schon klar – freiwillig ist bei der Freiwilligen Feuerwehr eigentlich nur der Eintritt, und spätestens seit Baron d’Holbach weiß auch der hinterste Feuerwehrgesamtgeneral, dass es so etwas wie einen freien Willen eigentlich gar nicht gibt. Trotzdem finden wir eure hitzigen Kommandos in Richtung der Ausgetretenen doch arg unverfroren. Besser wär’s drum, ihr tätet gleich eine Berufsfeuerwehr installieren. Oder, noch besser: Lasst es bleiben, denn so ganz willenlos wird sich euch nicht mal ein Profilöscher fügen. Wisst ihr, was? Stellt aus den verbliebenen Feuerwehr-Unterabteilungen einfach ein Freikorps zusammen und zeigt den Abtrünnigen, wie man in Sankt Johann mit Freidenkern umgeht, denen es noch nicht mal davor graust, von allen schwäbischen Provinzglossenfritzen als – schenkelklopf – Auf-dem-Schlauch-Steher gebrandmarkt zu werden.

100 Liter Freibier von den Freischärlern in der Mansarde!

P. S. Liebe Moslems, aus technischen Gründen war es uns in dieser Ausgabe leider nicht möglich, euch wie gewohnt zu beleidigen. Wir geloben Besserung.


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