den ich anlässlich des gestrigen erstmaligen Schauens eines ihrer jüngsten Filme schreibe. (Okay, ganz so jung ist der Film nicht mehr, aber ich habe ihn, wie bereits erwähnt, gestern zum ersten Mal geschaut.)
Sehr geehrte Sharon Stone,
Sie müssen ja als Kind ein hübsches Ekelpaket gewesen sein. Ganz abgesehen davon, dass Sie schon seit Ihrer Geburt einen IQ von 158 mit sich herumschleppen: Frech und unansehnlich waren Sie auch noch. Eine hässliche Ente, die in der Besenkammer sitzt und liest, sagen Sie über sich selbst, seien Sie gewesen. „Ich konnte mit zehn Monaten sprechen, ich kam mit fünf Jahren in die zweite Klasse, ich war ein vergeistigtes Kind, das nicht den geringsten Versuch unternahm, sozial zu sein.“
Das, Sharon Stone, war klasse. Sie – als Kind schon eine unbequeme Außenseiterin, eine Normbrecherin, eine Jeanne d’Arc. Aus Ihnen hätte etwas anständiges werden können.
Und was ist aus Ihnen geworden? Erst wurden sie hübsch, dann haben Sie gemodelt, und dann haben sie „Basic Instinct“ gedreht. Den Film, von dem manche sagen, er sei so furchtbar verstörend gewesen, weil Sie darin Ihre Beine irgendwie unzüchtig und verderbt, verstörend eben, übereinander geschlagen haben.
Machen wir, Sharon Stone, es kurz: „Basic Instinct“ war nicht verstörend, sondern ganz gewöhnliche stockbiedere Hollywood-Hausmannskost. Mit Eispickeln bewaffnete Femmes fatales, menschliche Abgründe, verruchte Sexszenen – diesen ganzen langweiligen Tabubruch-Trash habe ich schon tausend Mal gesehen.
Darum habe ich mich auch – für Sie! – gefreut, als ich Sie nach „Basic Instinct“ in einigen wirklich sehenswerten Low-Budget-Produktionen wie „Die Muse“ und „Broken Flowers“ sah. „Man muss sich entscheiden, ob man ein Filmstar sein will oder ein Schauspieler“, sagten Sie. Stimmt.
Und was, Sharon Stone, machen Sie jetzt? Wandeln wieder auf den alten Pfaden und drehen schnell „Basic Instinct 2“, wenn grad’ keiner hinschaut! Verkaufen sich und Ihre Normbrecher-Qualitäten – für eine Handvoll Dollars!
Sharon Stone, ich bitte Sie: Seien Sie wieder, was Sie als Kind waren. Das Ekelpaket, das zu seinen Prinzipien steht. Seien Sie eine Jane Fonda und keine Goldie Hawn. Ich zähle auf sie.
P. S. Nein, obiger Brief ist kein alter Text von mir, den ich nur deshalb hierhin stelle, weil ich zu bequem bin, mir etwas Neues auszudenken, und die Brief-Einleitung ist auch nicht der krampfhafte Versuch, den Text irgendwie auf aktuell zu trimmen. (Nur, falls jemand deswegen nachfragen will.)


