Gangsta Donk und Saddam Kong

Megakrass: Donkey Kongs ultrarare Sondereditionen

1981 Jahren tauchte in Japans Spielhallen ein bahnbrechendes Videospiel auf. Sein Name: Donkey Kong. Seine Protagonisten: Donkey Kong, ein wildgewordener Affe, Mario, ein tumber Klempnergesell, und Plum, eine liebreizende Prinzessin. So weit, so harmlos. – Doch als Spiele-Entwickler Nintendo seinen Affen auf den US-Markt loslassen wollte, fingen die Schwierigkeiten an. Man könne, ereiferten sich die Amis, eine Prinzessin, ein Mädchen sozusagen, nicht einfach so „Pflaume“ nennen. Schließlich löse dieser Name bei seiner Erwähnung die anrüchigsten Assoziationen aus. Nach einigem Hin und Her gab Nintendo nach und brachte die US-Version der Prinzessin als „Toadstool“ (Giftpilz) in die amerikanischen Spielhallen. Die Amerikaner waren’s zufrieden und machten Donkey Kong zum erfolgreichsten Videospiel bis dato.

Was viele nicht wissen: Nintendo hat noch mehrmals versucht, mit Spezialanfertigungen regionale Videospielmärkte optimal zu durchdringen – namentlich bei der in den Neunzigern erschienenen Reihe „Donkey Kong Country“. Eine Fehlkalkulation, wie sich letztendlich erwies. Die wenigen noch vorhandenen Exemplare jener unvergleichlichen Sondereditionen sind heute begehrte Sammlerstücke.

Gangsta DonkIm New Yorker Stadtteil Bronx, im Los Angeleser Distrikt South Central und diversen anderen Rap-Neger-Hochburgen ticken die Videospiel-Uhren anders. Das zumindest glaubten die Entwickler und programmierten flugs den DKC 3-Ableger Gangsta Donk in Bullshit Land. Handlung des Machwerks: Oberfiesling King Ice Tube hat alle Massivgoldkettchen geklaut und überall im Bullshit-Land verstreut. Da die Bewohner des Landes keine zehn Minuten ohne ihre Kettchen überleben können, unterbricht Gangsta Donk seine Drogengeschäfte, sägt seine Schrotflinte ab und macht sich auf die Jagd nach dem Gehänge. Öde: Wenn man das Spiel in zehn Minuten nicht durch hat, muss Gangsta Donk einen bekackten Rap rappen, der ihn rückwärts durch die Zeit teleportiert. Dann geht’s von vorne los. Fast alles, was man bis dahin geschafft hatte, ist wieder weg. – Nichtsdestotrotz stieß das Spiel bei der Zielgruppe auf regen Zuspruch. Umsatz wurde aber so gut wie nicht gemacht: Naiverweise hatte man als Vertriebspartner die Besitzer von Ghetto-Schnapsläden, die gewöhnlich acht- bis zehn Mal pro Tag überfallen werden, auserkoren. So verzichtete man denn auch auf die Veröffentlichung des geplanten Nachfolgers Gangsta Donk & Mad Niggaz in da House. Der Einfluss der Figur des Gangsta Donk war indes prägend: Ex-Hundertmeter-Weltrekordler Maurice Green versuchte noch jahrelang, Donks charakteristische Bewegungen im Wortsinne nachzuäffen.

Rabbi DonkeySpeziell für den israelischen Markt produziert, sollte Rabbi Donkey vor allem bei strenggläubigen Juden einschlagen wie eine Bombe. Ziel des Spiels: Donkey Kong – diesmal als Rabbiner unterwegs – muss bis zum nächsten Sabbat seine Thora-Rollen, die ihm die beiden Megaschurken Pali-Zong und Ara-Bong entwendet haben, wiederbeschaffen. Dabei zieht er durch drei riesige Level („Golan-Senke“, „Über-dem-Jordan-Land“ und „Wasa-Streifen“), die er unter seine Kontrolle bringen muss. Das lustige Ballerspiel hat auch einen Mehrspielermodus: Die meisten Punkte bekommt, wer innerhalb der vorgegebenen Zeit die meisten „Palis“ und „Aras“ zur Strecke bringt. – Das Spiel rief in der gesamten arabischen Welt wütende Proteste hervor. Um die Gemüter zu beruhigen, dachte man anfangs daran, die Restauflage einstampfen zu lassen; alsbald ersann man jedoch einen Plan, der es erlaubte, den Verkauf ungebremst weiterlaufen zu lassen (s. dazu die Besprechung des nächsten Spiels). Somit ist Rabbi Donkey die einzige Sonderedition, die man mit etwas Glück auch heute noch in den Geschäften findet – wenn man die Reise zum Toten Meer nicht scheut.

Saddam KongWohl gerüstet für die Mutter aller Schlachten ist, wer sich Saddam Kong in den SNES-Schacht schiebt. Da knirscht der Yankee mit den Zähnen: Unter Missachtung aller Flugverbotszonen gilt es, sich die Ländereien stinkreicher Erdöl-Bonzen als zusätzliche Provinzen einzuverleiben und damit Saddam Kongs Widersacher, den Erzschuft Unclean Sam, von allen Energiereserven abzuschneiden. Nebenher muss man auch noch das verkommene Reich des Bösewichts Rabbi Donkey satt mit Marschflugkörpern und Giftgaswolken eindecken. Spielspaß pur für die vielen Videospiel-Fans im Orient! – Der Strategie-Kracher erschien als Reaktion auf die Proteste und Drohungen der Arabischen Liga anlässlich der Veröffentlichung von Rabbi Donkey und sollte als Ausgleich fungieren (brachte aber nunmehr die Israelis auf die Palme). Hauptvertriebsländer waren anfangs Ägypten, Syrien und Libanon; somit war das famose Spiel im Irak, wo die Fans am euphorischsten reagierten, nur schwer zu haben. Das änderte sich, als sich die deutsche Firma „Mamas Liebling“ 1998 in den Vertrieb einschaltete und das Spielmodul auch in den Irak einführte. Es folgte, was folgen musste: Verwicklungen wegen Umgehung der Boykottmaßnahmen (Saddam Kong galt in Washington als militärisches Erzeugnis), noch wütendere Kampfansagen aus Tel Aviv etc. etc. – das traurige Ende von Saddam Kong war schließlich, dass die gesamte Restauflage eingestampft wurde. Ewig schade für die vielen Sammler!

Der totale TonkelDie DVU in Sachsen-Anhalt bei 12,9 Prozent? Das überzeugte selbst die letzten Zweifler: Eine Sonderedition für die Hakenkrauts musste her. Der totale Tonkel war schnell programmiert, und die Handlung war vielversprechend: Als Donkey Kong muss der Spieler aus vorgegebenen Textfragmenten mehrere flammende Reden zusammenzimmern, wodurch er mit der Zeit immer mehr Kraftpunkte zulegt, bis er schließlich zum „totalen Tonkel“ wird. Ist das geschafft, geht’s auf eine Reise durch zahlreiche Level, in denen Tonkel sonderbaren Gestalten begegnet („Waschlappen-Wario“, „Memmen-Mario“, „Bolschewik-Bowser“ und „Partisanen-Peach“). Mit seiner drallen Gehilfin Candy Kong muss Tonkel diesen Widersachern in einem Minispiel blitzschnell blonde Perücken und blaue Kontaktlinsen verpassen, wodurch sie „gleichgeschaltet“ werden. – So weit, so gut. Aber ach, welcher Teufel ritt die Entwickler bloß, als sie versuchten, Tonkels Reden zu vertonen? In Ermangelung deutscher Synchronsprecher übernahmen Japaner diese Aufgabe, und so kam es, dass Tonkel ständig Wörter wie „ausladiele“ und „ausmelze“ gebrauchte. Dieser Umstand hielt sogar die National-Zeitung davon ab, das Produkt zum Spiel des Jahres zu wählen. Damit war Der totale Tonkel bei der deutschen Zielgruppe auf der ganzen Linie durchgefallen und wurde vom Markt genommen. Die geplante Fortsetzung (Der totale Tonkel II – Wir schissen Blut und Eiter) ist nie erschienen.

Mehr über Donkey Kong: Vom armen D. K.
Hinweis: Eine kleine, aber feine Seite, die sich mit der „Donkey Kong Country“-Reihe befasst, ist affengesindel.8ung.at. Komplettlösungen finden sich dort ebenso wie Donkey-Kong-Gedichte.

3 Antworten zu „Gangsta Donk und Saddam Kong“

  1. Pulvertoastman sagt:

    Lieber Theo,

    auch ich habe schon aus vertauensseliger Quelle von diesen Spielen gehört. Leider ist mir die Web-Adresse entfallen.
    Wenn du noch was rausfindest, kannst du es bitte in einen Artikel verwursten? Danke im voraus,

    dein Pulvertoastman

    P.S: Die Frechheit, dich zu dutzen, nahm ich mir aus deinem jugendhaften Charme heraus.

  2. Uffu, uffu « Vorlaut-Boy sagt:

    [...] Tage brachte ich mit fanatischem Daddeln und Hämmern zu. Besonders fasziniert hat mich der Gorilla Donkey Kong. Seine Aufgabe bestand darin, hüpfender- und rollenderweise Krokodile, Geier und andere Lurche [...]

  3. Theo sagt:

    Hallo Pulvertoastmann, in Ordnung, ich verwurste. (Allerdings habe ich den leisen Verdacht, dass mich irgend so ein sauberer Herr aus Pulvertoast auf die Schippe nehmen will.)
    Schöne Grüße, Theo

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