Ungerecht

31. August 2007

Wissenschaftler haben in den siebziger Jahren herausgefunden, dass Gerichte ungerecht sind: Richter urteilten umso milder, je attraktiver die Angeklagten sind.

Dem entgegenzuwirken, haben die Chinesen ein Computerprogramm entwickelt, das nach Eingabe einiger tatrelevanter Fakten die objektivsten Urteile ausspuckt. Ich fordere die deutsche Justiz auf, sich daran ein Beispiel zu nehmen. Und nicht nur die Justiz: Auf dass es künftig gerechter zugehe, sollte beim Eiskunstlaufen Eiskunstlauf-Software die Punkte verteilen und keine Jury. Was wir aber am dringendsten brauchen, ist ein Programm, das die Wahrscheinlichkeit von Zu-spät-zur-Arbeit-komm-Ausreden berechnet.

Ich zum Beispiel war heute nur deshalb zu spät, weil mein Arbeitsweg über eine Verkehrsinsel führt, die sich in der Mitte eines Kreisverkehrs befindet; ich stand gerade auf dieser Insel, als ein Traktor mit etlichen Zirkuswagen im Schlepp in den Kreisverkehr einbog. Der Fahrer war sich wohl seines Weges nicht sicher, jedenfalls fragte er an jeder Ausfahrt des Kreisverkehrs Passanten nach der Richtung, erhielt aber keine präzisen Auskünfte, weshalb die Zirkuskolonne bald den gesamten Kreis schloss, ich in der Mitte gefangen war und auch nicht zwischen den Zirkuswagen hindurchschlüpfen konnte, weil die Kolonne sich fortwährend ruckweise weiterbewegte, und zwar zwei Stunden lang.

Klingt plausibel, sagen Sie? Das sage ich auch. Mein Chef dagegen drohte mir, als ich ihm die Sachlage wahrheitsgemäß schilderte, umgehend mit Entlassung. Und das, Freunde, ist wirklich ungerecht.


Ost-West-Dialog (Vol. II)

31. August 2007

Einmal stritt ich mit einem Bekannten aus der Pfalz. Es ging um die Frage, warum die Westdeutschen die Ostdeutschen scheiße finden.

Weil die Ostdeutschen sächsisch reden, sagte mein Bekannter.

Ich erzählte ihm von meiner Großtante Elfriede aus München. Mit dieser Tante war es so: Als es die DDR noch gab, kam sie mit ihrem Mann öfters zu uns in die DDR zu Besuch. Sie sagte dann immer, dass wir armen Schweine uns gar nicht vorstellen könnten, wie glamourös es im Westen sei. Elfriedes Mann fügte hinzu, in München gebe es nirgendwo Unkraut. Wir sollten sie doch mal besuchen in München, haha, und wenn wir auch nur ein einziges Unkraut finden würden, würde er uns eine Million D-Mark geben.

Ich habe meine Großtante und ihren Mann damals für prototypische Bundesbürger gehalten. Heute bin ich überzeugt, dass ich damit richtig lag.

Jedenfalls, als sich die Grenzen 1989 öffneten, fuhren die DDR-Bürger nach München, Villingen-Schwenningen und Brunsbüttel und stellten fest, dass erstens der Westen doch nicht so glamourös war, wie die Tanten und Onkel immer behauptet hatten, und dass zweitens es in München sehr wohl Unkraut gab. Da fühlten sich die West-Tanten und –Onkel beim Aufschneiden ertappt. Nein, ärger noch: Sie befürchteten, die Ostverwandtschaft könne meinen, sie, die West-Tanten und –Onkel, würden den Westen tatsächlich für glamourös und unkrautfrei halten und seien daher weit weniger weltläufig, als sie auf ihren DDR-Besuchen immer zu sein vorgegeben hatten.

Der Westen, sagte ich zu meinem Pfälzer Bekannten, wird dem Osten die Bloßstellung des Westens im Zuge der Grenzöffnung nie verzeihen. In Wahrheit, fuhr ich fort, finden die Westdeutschen gar nicht die Ostdeutschen, sondern sich selber scheiße. Weil diese Erkenntnis aber zu bitter ist, um sie sich einzugestehen, sagen die Westdeutschen, dass nicht sie, sondern die Ostdeutschen scheiße sind. Zur Rechtfertigung dieser Aussage leistet das Alle-Ostler-sind-Nazis-Klischee gute Dienste.

Zum Schluss einigte ich mich mit meinem Bekannten darauf, dass wir beide Recht haben. Na also: Soll noch mal einer behaupten, die deutsch-deutsche Verständigung funktioniert nicht.


Mehr davon: Ost-West-Dialog (Vol. I)


Ost-West-Dialog

31. August 2007

Neulich steh’ ich mit einer mir flüchtig bekannten Tübinger Sozialpädagogin auf der Neckarbrücke. Wir lehnen am Geländer und schauen ins braune Neckarwasser.

Sagt meine Bekannte: Oh Mann, diese Ostler.

Sag ich: Was ist mit denen? (Ich bin in der DDR aufgewachsen, aber das weiß meine flüchtig Bekannte nicht.)

Sagt sie: Die sind doch alle braun. Intolerante, dumpfe Nazis. Wegen Mügeln und so, sagt sie. Vollgeschissen mit Vorurteilen. Kennen gar keine Ausländer, weil’s im Osten keine gibt, können Ausländer aber nicht leiden.

Sag ich: Woher weißt du das?

Sie: Das steht doch jeden Tag in den Medien.

Ich: So nahtlos passt der Mügeln-Vorfall nicht in dein Klischee von den rechtsradikalen Ostlern und den bedauernswerten Ausländern, meine Liebe. Der Focus sagt, die Polizei habe gesagt, dass die Inder mit abgebrochenen Biergläsern auf die Ostdeutschen losgegangen sind. (Langsam komm’ ich in Fahrt. Ich erhitze mich bei diesem Thema immer. Ich kann es für den Tod nicht ausstehen, wenn sich eine Tübinger Sozpäd-Trulla, die vorgibt, tolerant zu sein, in Wirklichkeit aber nur tolerant ist gegenüber denjenigen, die dieselbe Meinung haben wie sie, über die vermeintliche Intoleranz anderer ereifert.) — Dochdoch, sag ich weiter zu ihr, du hast ja recht. Zuallererst, noch bevor jemand Genaueres weiß, sagen die Medien immer, dass wieder mal die guten Ausländer von den braunen Ossis gehetzt worden sind. Wenn hinterher rauskommt, dass es doch anders war, kommt das nur als Vierzeiler auf Seite siebzehn. Und schwupps – wieder haben die Wessis ihr Stereotyp vom braunen Ossi bestätigt gekriegt.

Sie: Den ‚Focus’ les’ ich nicht, der ‚Focus’ ist …

Ich: Aber den ‚Spiegel’ und die ‚TAZ’ liest du doch ganz bestimmt, oder?

Sie: Die ‚TAZ’ schon, die ist …

Jetzt bin ich endgültig nicht mehr zu halten. Die Medien, schrei ich, egal ob Focus, Spiegel oder TAZ, berichten tendenziös! Das Fernsehen ist besonders tendenziös! Das Fernsehen bedient Klischees über Ostdeutsche! Und, sag ich, das Fernsehen – das öffentlich-rechtliche wie das private – ist ein reines Westfernsehen! Wenn ein Moderator, egal welcher Sendung, ‚wir’ sagt, meint er die Westdeutschen, wenn er ‚hier’ sagt, meint er Westdeutschland, und wenn er ‚dort’ sagt, meint er die Ex-DDR!

Unter der Neckarbrücke plätschert es. Ein paar Stocherkahn-Studenten schauen zu uns herauf.

Sagt sie: Sag mal, wie bist du denn drauf? Das weiß doch jeder, dass es im Osten schlimmer ist mit den Nazis als hier. Die sind eben die Demokratie nicht gewohnt. Und so weiter, sagt sie.

Sag ich: Wenn das tatsächlich so ist, dann liegt es daran, dass im Osten mehr Leute arbeitslos sind als im Westen.

Sie, sich abwendend: Hör auf, das hat doch mit Arbeitslosigkeit nichts zu tun, das ist doch ein billiges Klisch…

Ich, mit Schaum vorm Mund: Ha! Was weißt du denn! Das, das ist kein Klischee!

Sie: Ich muss los, ich muss noch was einkaufen. Tschüss.

Ich: Tschüss.

Sie geht. Ich stehe noch eine Weile da. Schaue vor mich hin, ins Wasser.

Wenn meine Bekannte nicht gegangen wäre, hätte ich ihr gesagt, dass eigentlich nicht die Arbeitslosigkeit dafür verantwortlich ist, wenn sich jemand nach rechts außen orientiert. Sondern die regierenden Parteien und die Medien. Weil sie den Arbeitslosen, vor allem den arbeitslosen Hartz-IV-Empfängern – subtil oder auch ganz offen – vermitteln, sie selbst seien für ihre Misere verantwortlich, sie seien ehrlose Schmarotzer, die auf Kosten aller anderen lebten. Das Vermitteln dieser Botschaft läuft übrigens unter der Bezeichnung „Motivierung“. Nein, schnittiger noch: Motivation. Die Opfer dieser Motivation, hätte ich gesagt, würden folgerichtig entweder Selbstmord begehen oder NPD wählen. Eigentlich müssten, hätte ich ihr gesagt, noch viel mehr Leute NPD wählen. Das hätte sie wohl verstanden.

Dann hätte ich ihr gesagt: Ich habe einen Traum. Von einem friedlichen Miteinander von Nazis, Ausländern und toleranten Tübinger Sozialpädagogen. Mein Gott, sind wir denn nicht alle Deutsche? Zum Schluss hätten wir uns in den Armen gelegen.

Inzwischen bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob es wirklich so gekommen wäre. Womöglich hätte meine sehr flüchtig Bekannte mit ihren festzementierten Ansichten über Ostdeutschland ganz anders reagiert. Mich als Nazi verunglimpft beispielsweise.

Ganz gut so, dass sie gegangen ist. Soll sie doch zusammen mit ihren aufgeschlossenen Tübinger Toleranzlern, dieser ganzen feisten, faschistoiden Sozpäd-Mischpoke, weiter ihre Vorurteile pflegen. Oder dorthin gehen, wo der Kümmel wächst. Ich sag’s Euch: Manche Leute kann ich auf den Tod nicht ausstehen.

P. S. Wohin das mit der „Motivation“ einmal führen wird, weiß ich jetzt schon. Irgendwann in den, sagen wir mal, kommenden zehn Jahren wird man dazu übergehen, Arbeitslose in Lagern zu internieren. Die Lager werden nicht Lager heißen, sondern ‚Motivation Centers’. Sollte sich dagegen unerwarteterweise Widerstand regen (von wegen, ob die Nationalsozialisten nicht auch solche Lager gebaut hätten), wird irgendein Bescheidwisser – einer von der Sorte, die in jedem Satz dreimal ‚Struktur’, ‚Relevanz’ und ‚Kontext’ sagt – erklären, man könne doch nicht alles, was im Dritten Reich geschah, deshalb verteufeln, weil es im Dritten Reich geschah, man müsse sich über Denkverbote hinwegsetzen, müsse Dinge andenken usf.

P. P. S. Mit welchem Begriff man das Vergasen von Arbeitslosen, das meiner Einschätzung nach in den kommenden zwanzig bis dreißig Jahren eingeführt wird, bezeichnen wird, darüber denke ich noch nach. Nachhaltige Abwicklung vielleicht. Oder ProEconomy BioRelease.


Mehr davon: Ost-West-Dialog (Vol. II)


Gangsta Donk und Saddam Kong

31. August 2007

Megakrass: Donkey Kongs ultrarare Sondereditionen

1981 Jahren tauchte in Japans Spielhallen ein bahnbrechendes Videospiel auf. Sein Name: Donkey Kong. Seine Protagonisten: Donkey Kong, ein wildgewordener Affe, Mario, ein tumber Klempnergesell, und Plum, eine liebreizende Prinzessin. So weit, so harmlos. – Doch als Spiele-Entwickler Nintendo seinen Affen auf den US-Markt loslassen wollte, fingen die Schwierigkeiten an. Man könne, ereiferten sich die Amis, eine Prinzessin, ein Mädchen sozusagen, nicht einfach so „Pflaume“ nennen. Schließlich löse dieser Name bei seiner Erwähnung die anrüchigsten Assoziationen aus. Nach einigem Hin und Her gab Nintendo nach und brachte die US-Version der Prinzessin als „Toadstool“ (Giftpilz) in die amerikanischen Spielhallen. Die Amerikaner waren’s zufrieden und machten Donkey Kong zum erfolgreichsten Videospiel bis dato.

Was viele nicht wissen: Nintendo hat noch mehrmals versucht, mit Spezialanfertigungen regionale Videospielmärkte optimal zu durchdringen – namentlich bei der in den Neunzigern erschienenen Reihe „Donkey Kong Country“. Eine Fehlkalkulation, wie sich letztendlich erwies. Die wenigen noch vorhandenen Exemplare jener unvergleichlichen Sondereditionen sind heute begehrte Sammlerstücke.

Gangsta DonkIm New Yorker Stadtteil Bronx, im Los Angeleser Distrikt South Central und diversen anderen Rap-Neger-Hochburgen ticken die Videospiel-Uhren anders. Das zumindest glaubten die Entwickler und programmierten flugs den DKC 3-Ableger Gangsta Donk in Bullshit Land. Handlung des Machwerks: Oberfiesling King Ice Tube hat alle Massivgoldkettchen geklaut und überall im Bullshit-Land verstreut. Da die Bewohner des Landes keine zehn Minuten ohne ihre Kettchen überleben können, unterbricht Gangsta Donk seine Drogengeschäfte, sägt seine Schrotflinte ab und macht sich auf die Jagd nach dem Gehänge. Öde: Wenn man das Spiel in zehn Minuten nicht durch hat, muss Gangsta Donk einen bekackten Rap rappen, der ihn rückwärts durch die Zeit teleportiert. Dann geht’s von vorne los. Fast alles, was man bis dahin geschafft hatte, ist wieder weg. – Nichtsdestotrotz stieß das Spiel bei der Zielgruppe auf regen Zuspruch. Umsatz wurde aber so gut wie nicht gemacht: Naiverweise hatte man als Vertriebspartner die Besitzer von Ghetto-Schnapsläden, die gewöhnlich acht- bis zehn Mal pro Tag überfallen werden, auserkoren. So verzichtete man denn auch auf die Veröffentlichung des geplanten Nachfolgers Gangsta Donk & Mad Niggaz in da House. Der Einfluss der Figur des Gangsta Donk war indes prägend: Ex-Hundertmeter-Weltrekordler Maurice Green versuchte noch jahrelang, Donks charakteristische Bewegungen im Wortsinne nachzuäffen.

Rabbi DonkeySpeziell für den israelischen Markt produziert, sollte Rabbi Donkey vor allem bei strenggläubigen Juden einschlagen wie eine Bombe. Ziel des Spiels: Donkey Kong – diesmal als Rabbiner unterwegs – muss bis zum nächsten Sabbat seine Thora-Rollen, die ihm die beiden Megaschurken Pali-Zong und Ara-Bong entwendet haben, wiederbeschaffen. Dabei zieht er durch drei riesige Level („Golan-Senke“, „Über-dem-Jordan-Land“ und „Wasa-Streifen“), die er unter seine Kontrolle bringen muss. Das lustige Ballerspiel hat auch einen Mehrspielermodus: Die meisten Punkte bekommt, wer innerhalb der vorgegebenen Zeit die meisten „Palis“ und „Aras“ zur Strecke bringt. – Das Spiel rief in der gesamten arabischen Welt wütende Proteste hervor. Um die Gemüter zu beruhigen, dachte man anfangs daran, die Restauflage einstampfen zu lassen; alsbald ersann man jedoch einen Plan, der es erlaubte, den Verkauf ungebremst weiterlaufen zu lassen (s. dazu die Besprechung des nächsten Spiels). Somit ist Rabbi Donkey die einzige Sonderedition, die man mit etwas Glück auch heute noch in den Geschäften findet – wenn man die Reise zum Toten Meer nicht scheut.

Saddam KongWohl gerüstet für die Mutter aller Schlachten ist, wer sich Saddam Kong in den SNES-Schacht schiebt. Da knirscht der Yankee mit den Zähnen: Unter Missachtung aller Flugverbotszonen gilt es, sich die Ländereien stinkreicher Erdöl-Bonzen als zusätzliche Provinzen einzuverleiben und damit Saddam Kongs Widersacher, den Erzschuft Unclean Sam, von allen Energiereserven abzuschneiden. Nebenher muss man auch noch das verkommene Reich des Bösewichts Rabbi Donkey satt mit Marschflugkörpern und Giftgaswolken eindecken. Spielspaß pur für die vielen Videospiel-Fans im Orient! – Der Strategie-Kracher erschien als Reaktion auf die Proteste und Drohungen der Arabischen Liga anlässlich der Veröffentlichung von Rabbi Donkey und sollte als Ausgleich fungieren (brachte aber nunmehr die Israelis auf die Palme). Hauptvertriebsländer waren anfangs Ägypten, Syrien und Libanon; somit war das famose Spiel im Irak, wo die Fans am euphorischsten reagierten, nur schwer zu haben. Das änderte sich, als sich die deutsche Firma „Mamas Liebling“ 1998 in den Vertrieb einschaltete und das Spielmodul auch in den Irak einführte. Es folgte, was folgen musste: Verwicklungen wegen Umgehung der Boykottmaßnahmen (Saddam Kong galt in Washington als militärisches Erzeugnis), noch wütendere Kampfansagen aus Tel Aviv etc. etc. – das traurige Ende von Saddam Kong war schließlich, dass die gesamte Restauflage eingestampft wurde. Ewig schade für die vielen Sammler!

Der totale TonkelDie DVU in Sachsen-Anhalt bei 12,9 Prozent? Das überzeugte selbst die letzten Zweifler: Eine Sonderedition für die Hakenkrauts musste her. Der totale Tonkel war schnell programmiert, und die Handlung war vielversprechend: Als Donkey Kong muss der Spieler aus vorgegebenen Textfragmenten mehrere flammende Reden zusammenzimmern, wodurch er mit der Zeit immer mehr Kraftpunkte zulegt, bis er schließlich zum „totalen Tonkel“ wird. Ist das geschafft, geht’s auf eine Reise durch zahlreiche Level, in denen Tonkel sonderbaren Gestalten begegnet („Waschlappen-Wario“, „Memmen-Mario“, „Bolschewik-Bowser“ und „Partisanen-Peach“). Mit seiner drallen Gehilfin Candy Kong muss Tonkel diesen Widersachern in einem Minispiel blitzschnell blonde Perücken und blaue Kontaktlinsen verpassen, wodurch sie „gleichgeschaltet“ werden. – So weit, so gut. Aber ach, welcher Teufel ritt die Entwickler bloß, als sie versuchten, Tonkels Reden zu vertonen? In Ermangelung deutscher Synchronsprecher übernahmen Japaner diese Aufgabe, und so kam es, dass Tonkel ständig Wörter wie „ausladiele“ und „ausmelze“ gebrauchte. Dieser Umstand hielt sogar die National-Zeitung davon ab, das Produkt zum Spiel des Jahres zu wählen. Damit war Der totale Tonkel bei der deutschen Zielgruppe auf der ganzen Linie durchgefallen und wurde vom Markt genommen. Die geplante Fortsetzung (Der totale Tonkel II – Wir schissen Blut und Eiter) ist nie erschienen.

Mehr über Donkey Kong: Vom armen D. K.
Hinweis: Eine kleine, aber feine Seite, die sich mit der “Donkey Kong Country”-Reihe befasst, ist affengesindel.8ung.at. Komplettlösungen finden sich dort ebenso wie Donkey-Kong-Gedichte.


Offener Brief an Sharon Stone,

31. August 2007

den ich anlässlich des gestrigen erstmaligen Schauens eines ihrer jüngsten Filme schreibe. (Okay, ganz so jung ist der Film nicht mehr, aber ich habe ihn, wie bereits erwähnt, gestern zum ersten Mal geschaut.)

Sehr geehrte Sharon Stone,

Sie müssen ja als Kind ein hübsches Ekelpaket gewesen sein. Ganz abgesehen davon, dass Sie schon seit Ihrer Geburt einen IQ von 158 mit sich herumschleppen: Frech und unansehnlich waren Sie auch noch. Eine hässliche Ente, die in der Besenkammer sitzt und liest, sagen Sie über sich selbst, seien Sie gewesen. „Ich konnte mit zehn Monaten sprechen, ich kam mit fünf Jahren in die zweite Klasse, ich war ein vergeistigtes Kind, das nicht den geringsten Versuch unternahm, sozial zu sein.“

Das, Sharon Stone, war klasse. Sie – als Kind schon eine unbequeme Außenseiterin, eine Normbrecherin, eine Jeanne d’Arc. Aus Ihnen hätte etwas anständiges werden können.

Und was ist aus Ihnen geworden? Erst wurden sie hübsch, dann haben Sie gemodelt, und dann haben sie „Basic Instinct“ gedreht. Den Film, von dem manche sagen, er sei so furchtbar verstörend gewesen, weil Sie darin Ihre Beine irgendwie unzüchtig und verderbt, verstörend eben, übereinander geschlagen haben.

Machen wir, Sharon Stone, es kurz: „Basic Instinct“ war nicht verstörend, sondern ganz gewöhnliche stockbiedere Hollywood-Hausmannskost. Mit Eispickeln bewaffnete Femmes fatales, menschliche Abgründe, verruchte Sexszenen – diesen ganzen langweiligen Tabubruch-Trash habe ich schon tausend Mal gesehen.

Darum habe ich mich auch – für Sie! – gefreut, als ich Sie nach „Basic Instinct“ in einigen wirklich sehenswerten Low-Budget-Produktionen wie „Die Muse“ und „Broken Flowers“ sah. „Man muss sich entscheiden, ob man ein Filmstar sein will oder ein Schauspieler“, sagten Sie. Stimmt.

Und was, Sharon Stone, machen Sie jetzt? Wandeln wieder auf den alten Pfaden und drehen schnell „Basic Instinct 2“, wenn grad’ keiner hinschaut! Verkaufen sich und Ihre Normbrecher-Qualitäten – für eine Handvoll Dollars!

Sharon Stone, ich bitte Sie: Seien Sie wieder, was Sie als Kind waren. Das Ekelpaket, das zu seinen Prinzipien steht. Seien Sie eine Jane Fonda und keine Goldie Hawn. Ich zähle auf sie.

P. S. Nein, obiger Brief ist kein alter Text von mir, den ich nur deshalb hierhin stelle, weil ich zu bequem bin, mir etwas Neues auszudenken, und die Brief-Einleitung ist auch nicht der krampfhafte Versuch, den Text irgendwie auf aktuell zu trimmen. (Nur, falls jemand deswegen nachfragen will.)


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